Familienvermögen

Wir forschen zu den Fragen, die entstehen, wenn aus dem Familienunternehmen ein Familienvermögen wird. Mit dem Verkauf, einem Teilverkauf oder schlicht mit dem Wachstum des Vermögens neben dem Betrieb verändert sich, was die Familie zusammenhält und was sie organisieren muss. Die Antwort, die immer mehr Unternehmerfamilien darauf geben, heißt Family Office: eine eigene Organisation, die das Vermögen führt, die Familie ordnet und die nächste Generation vorbereitet. Deshalb stehen Family Offices im Zentrum unseres Schwerpunkts Familienvermögen. Wir erforschen sie unabhängig, interdisziplinär und im vertraulichen Austausch mit den Familien selbst – von der Frage, wie unternehmerische Identität ohne Unternehmen weiterlebt, bis zur Frage, wie Familienkapital neue Nachfolgen ermöglicht.

Eine Initiative von
Eine Frau mit schulterlangem braunem Haar, die einen grauen Blazer trägt und lächelt, posiert vor einem hellgrauen, strukturierten Hintergrund.
Prof. Dr. Christina Hoon
Dr. des. Clemens Krüger

Stiftungslehrstuhl für BWL, insb. Führung von Familienunternehmen
Vorstand Institut für Familienunternehmen

Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Geschäftsführer Institut für Familienunternehmen




Was steckt hinter dem Begriff Family Office?


Ein Family Office ist die Organisation, mit der eine Unternehmerfamilie ihr Vermögen führt. Und zwar über das einzelne Unternehmen hinaus und über Generationen hinweg.

Family Offices entstehen häufig dort, wo sich Familiengeschichte und Firmengeschichte trennen: nach dem Verkauf des Unternehmens, nach einer Beteiligungsöffnung oder wenn das Vermögen neben dem Betrieb ein eigenes Gewicht bekommt. Mit der Nachfolgewelle im deutschen Mittelstand wächst die Zahl dieser Familien stetig  und mit ihr ein Feld, über das es erstaunlich wenig unabhängige Forschung gibt: keine amtliche Statistik, kaum belastbare Daten, dafür einen Markt voller Anbieterinteressen.

Genau hier setzt das iFUn an. Als Institut einer öffentlichen Universität erforschen wir Family Offices unabhängig, interdisziplinär und im vertraulichen Austausch mit Unternehmerfamilien. Der Blick ist betriebswirtschaftlich und rechtlich und gilt immer den Menschen hinter dem Vermögen. So wollen wir zur Zukunftsfähigkeit von Unternehmerfamilien beitragen.





Unser Anspruch

Wenn eine Unternehmerfamilie ihr Unternehmen verkauft, endet die Firmengeschichte — die Familiengeschichte nicht. Wir erforschen, was dann beginnt: wie Familien ihre unternehmerische Identität weitertragen, welche Geschichten ihr Vermögen zusammenhalten, wie die nächste Generation Verantwortung übernimmt und wie Familienkapital dorthin findet, wo der Mittelstand es braucht. Das Family Office ist für uns kein Finanzvehikel. Das Family Office ist der Ort, an dem all das verhandelt wird.

Als Institut an der Universität Bielefeld: ohne Produktinteressen, ohne Verkaufsabsicht, interdisziplinär, im vertraulichen Austausch mit Unternehmerfamilien. So entsteht in Bielefeld ein universitäres Zentrum für Family-Office-Forschung, das versteht, bevor es rät.





Einige Fragen, die uns momentan beschäftigen...

Wer sind wir ohne unser Unternehmen?

Im März unterschreibt die Familie den Verkauf: vier Generationen, 127 Jahre und bis zuletzt Weltmarktführer in einer Nische der Verbindungstechnik. Im August sitzt sie zum ersten Mal wieder alle an einem Tisch. Irgendwann fragt die Jüngste: Früher haben wir immer über die Firma geredet. Worüber reden wir jetzt?

Die Firma war der Ort, an dem sich die Familie als Unternehmerfamilie erlebte. Mit dem Verkauf verschwindet diese Infrastruktur. Die Identität aber bleibt und braucht neue Räume. Wir untersuchen, wie Familien nach dem Verkauf an ihrer Identität arbeiten, und welche dieser Aufgaben ein Family Office übernehmen kann, welche nicht.

In einem Single Family Office gilt seit Jahrzehnten eine Regel: kein Fremdkapital, unter keinen Umständen. Die neue Geschäftsführerin rechnet vor, was diese Vorsicht jedes Jahr kostet. Die Familie hört geduldig zu und erzählt ihr die Geschichte vom Winter 1967, als die Hausbank dem Großvater, der das Unternehmen gegründet hat, über Nacht die Kredite kündigte. Die Regel bleibt. Auch wenn das eigentliche Familienunternehmen vor 15 Jahren verkauft wurde.

Geschichten sind das Gedächtnis der Unternehmerfamilie. Sie stiften Zusammenhalt, begründen Entscheidungen und bestimmen mit, was investierbar ist und was tabu bleibt. Wir erforschen, wie im Family Office erzählt wird und was diese Erzählungen bewirken.

Mit 26 erfährt die Tochter bei einem Notartermin zum ersten Mal, wie groß das Familienvermögen tatsächlich ist. Ihre Eltern wollten, dass sie "normal" aufwächst. Das ist gelungen. Nun soll aus Distanz Verantwortung werden. Das Family Office bucht ein Wochenendseminar für die nächste Generation. Ob das genügt, kann niemand sagen.

Vermögen zu vererben ist einfach. Verantwortung zu vererben nicht. Familien und ihre Offices investieren viel in die Vorbereitung der nächsten Generation, doch über die Wirkung dieser Programme ist erstaunlich wenig bekannt. Interdisziplinär fragen wir, wie aus Erben Eigentümer werden. Nicht nur Bewahrer, sondern selbstwirksame Gestalter mit eigenem Urteil und eigenem Auftrag.

Ein Zulieferer im ländlichen Raum zwischen Gütersloh und Wiedenbrück, 80 Beschäftigte, volle Auftragsbücher aber der Inhaber ist 67, und die Suche nach einer Nachfolge läuft seit drei Jahren ins Leere. Im vierzig Kilometer entfernten Bielefeld sucht ein Family Office seit zwei Jahren nach „unternehmerischen Beteiligungen im Mittelstand". Die beiden werden einander nie begegnen.

Jahr für Jahr suchen weit über hunderttausend Mittelständler eine Nachfolge, während das Kapital der Unternehmerfamilien wächst. Warum finden beide so selten zueinander? Wir untersuchen Family Offices als Ermöglicher für Nachfolgegründungen: von der Direktbeteiligung über MBO und MBI bis zum Search Fund. Dabei betrachten wir was geduldiges Familienkapital für den Standort leisten kann und wie das Zusammenspiel zwischen Familienunternehmen und Family Office funktioniert.




Mitforschen: Ihr Beitrag zur Forschung

Wir forschen nicht über Sie. Sondern wir möchten mit Ihnen forschen und das am liebsten an Fragestellungen, die Ihnen im Alltag begegnen. Unsere Forschung lebt von Gesprächen mit denen, die Family Offices führen, aufbauen oder erleben: Unternehmerfamilien, Family Officers, Beiräten.

Wenn Sie Ihre Erfahrung einbringen möchten, freuen wir uns über ein Gespräch von 60 bis 90 Minuten — bei Ihnen, bei uns in Bielefeld oder digital. Dafür gilt ohne Ausnahme:

Was Sie davon haben: Sie erhalten unsere Ergebnisse vor der Veröffentlichung, und wir laden Sie zu unseren vertraulichen Austauschformaten ein. Vor allem aber tragen Sie dazu bei, dass über Family Offices künftig auf Grundlage von Forschung gesprochen wird und nicht auf Grundlage von Verkaufsinteressen.




Unabhängigkeit und Finanzierung

Wir sind ein Institut der Universität Bielefeld: einer öffentlichen Universität. Das ist ein wichtiger Teil unserer DNA. Unsere Unabhängigkeit ist die Grundlage unserer Arbeit.

Der Forschungsschwerpunkt wird aus universitären Mitteln sowie aus Fördermitteln von Stiftungen und Forschungsförderern finanziert.

Für alle Zuwendungen gilt: Die Freiheit von Forschung und Publikation ist vertraglich gesichert; Förderer nehmen keinen Einfluss auf Fragestellungen, Methoden oder Ergebnisse. Ein Fördererkodex, der diese Grundsätze im Einzelnen festhält, wird derzeit erarbeitet und an dieser Stelle veröffentlicht. Die Fallbeispiele auf dieser Seite sind typisiert und frei erzählt. Sie beruhen nicht auf einzelnen Familien.

Was wir grundsätzlich nicht tun: Wir beraten nicht, wir vertreiben keine Produkte, wir erstellen keine Einzelfallgutachten und wir vermitteln keine Anbieter.